Ode an den Einfall
von th
Am 19.3.26 titelte unsere lokale Papierpresse auf der Seite Hameln: „Wichtige Einfallstraße wird gesperrt“. Ich zeige mich entsetzt. Ich liebe diese Streckenführung von HM nach HO, gerade wenn mir mal partout nichts Besseres einfällt. Ich fahre dann besonders einfältig und langsam. Sonst wäre ich ja ruck-zuck schon am Ziel, auch wenn mir nach meiner kurzen Reise noch der Einfall fehlt. Mich haben dabei schon viele Persönlichkeiten überholt, z.B. Herr Zemlin oder unser OBM. Alle Überholenden gestikulieren gerne freihändig mit ausfälligen Zeichen ihrer Mittelfinger oder tippen sich an die Stirn, was zu einem Unfall führen könnte. Ja nun, eine guter Einfall braucht halt Zeit. Bei Durchfall schätze ich die Möglichkeit, mal eben zum Klärwerk abzubiegen. Auf Toilette kommen einem die besten Einfälle!
Aus Hameln heraus befinde ich mich auf einer Ausfallstraße, fahre ich zurück in einer Einfallstraße, bzw. umgekehrt. Das Ziel, und somit der Einfall, ist im Weg.
Die B 83 zeigt auffällige Längsrisse und Absackungen - Väterchen Frost sei Schuld. Ich gehe in der Ursachenforschung viel weiter zurück: Etwa 200 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung beschloss der Karthager Hannibal die Germanen zu unterwerfen. Er ließ 37 Kampfelefanten, die 4-Tonnen-SUV der Vorzeit, satteln und überquerte mit 8.000 Mann Fußvolk die Alpen und diverse Mittelgebirge Germaniens. Über Porta Westfalica drang er in das Urstromtal der Weser vor und wandte sich mittels der B 83 stromaufwärts. Die Straße war seitdem ruiniert. Ein tapferer Fischer, von Gestalt ein Berg, stellte sich der Truppe entgegen und tötete den SUV-Leitbullen mit einer Fischlanze. Noch heute zeugt der Ortsname Wehrbergen von diesem Drama.
Für Hannibal wurde der Einfall zu seinem Reinfall. Die Kampfelefanten ohne Führung plantschten genüsslich in der Weser und fraßen sich an den Blättern der umstehenden Weiden, heute als Gestrüpp bezeichnet, die Bäuche rund. Einige überquerten sogar den Fluss und gründeten den Zoo am Klüt, der heute aber auch schon Geschichte ist.
Hannibal kehrte in sich und gründete auf einem weseraufwärts gelegenen Werder ein Kloster und mit seinen Männern eine Ansiedlung namens Hannibal. Durch einen Schreibfehler der Chronisten wurde aus Hannibal Hamibal. Auf Antrag der AfG (Alternative für Germanica) wurde der Namen regermanisiert, ba fiel raus. Übrig blieb Hamelin, heute Hameln. Eine massive Elefantenplage wurde zu einer Rattenplage verniedlicht, der Migrationshintergrund der Hamelner Urbevölkerung wird geleugnet.
Die Geschichte Hamelns wäre somit, zur Freude aller Historiker, neu geschrieben.
hültho
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